Gut zu wissen:
- Falls nicht anders erwähnt, wird die ELB CSV Übersetzung verwendet
Inhalt:
I. Heiligkeit im Kontext der Bibel
II. Die Heiligkeit Israels
III. Paralellen zwischen Israel und der Gemeinde
i. Ägypten, unser Altes Leben
ii. Moses, das Gesetz
iii. Josua, Jesus und das Evangelium
iv. Passahlamm, Christus als Opfer
v. Wüste, unser Glaubenslebenheute
IV. Heiligkeit heute
V. Fazit
Einleitung des Themas: 1. Petrus 1,15-16 (NGÜ): «Der, der euch berufen hat, ist heilig; darum sollt auch ihr ein durch und durch geheiligtes Leben führen. Es heisst ja in der Schrift: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.»
I. Heiligkeit im Kontext der Bibel
Der Begriff Heiligkeit begegnet uns in der Bibel häufig – insbesondere auch schon im Alten Testament. Doch was genau bedeutet er? In der Schrift lesen wir, dass Gott heilig ist:
«Und ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, der HERR; und ich habe euch von den Völkern abgesondert, damit ihr mein seid» (3. Mose 20,26)
, oder
«Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: […]» (Jesaja 57,15)
, oder
«Der, der euch berufen hat, ist heilig; darum sollt auch ihr ein durch und durch geheiligtes Leben führen.» (1. Petrus 1,15 / NGÜ).
Wir sehen also, dass die Heiligkeit ein Attribut, ein Wesenszug Gottes ist. Im Folgenden werden wir nun die Bedeutung von Heiligkeit anhand der Bibel definieren. Wir werden erkennen, dass Heiligkeit von der Absonderung der Sünde und der Welt hin zu Gott zu tun hat. Wir haben soeben gelesen: «Und ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, der HERR; und ich habe euch von den Völkern abgesondert, damit ihr mein seid.» Hier sehen wir bereits, dass Gott sein Volk, das ist Israel, von anderen Völkern ‘abgesondert’ hat; und das Volk Israel sollte Ihm ‘heilig’ sein, um Gott zu gehören, wie geschrieben steht «damit ihr mein seid».
Es heisst auch:
«Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst.» (2. Mose 19,5-6 / ELB)
Hier lesen wir, dass das Volk Israel als heilige Nation bezeichnet wird, weil sie von Gott auserwählt, oder eben abgesondert, wurden zu seinem Eigentum.
Dieselbe Art von Absonderung bzw. Auserwählung sehen wir auch im Neuen Testament auf Christen bezogen:
«Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat;» (1. Petrus 2,9 / ELB).
Gerade hier erkennen wir, dass heilig sein bzw. Heiligkeit bedeutet, auserwählt, abgesondert zu sein zum Besitztum Gottes, aus der Finsternis, der Sünde heraus, zum Licht, Jesus.
Doch wie sieht Heiligkeit oder eben Absonderung ganz konkret aus? Betrachen wir zuerst die Absonderung Israels bevor wir dies auf uns heute beziehen.
II. Die Heiligkeit Israels
In 1. Mose 17 lesen wir, wie Gott mit Abraham einen Bund schloss. Verse 1-2 und 10-13:
«Und Abram war 99 Jahre alt, da erschien der HERR Abram und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige; wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Und ich will meinen Bund setzen zwischen mir und dir und will dich sehr, sehr mehren. […] Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: Alles Männliche werde bei euch beschnitten. Und ihr sollt am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden. Und das soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch. Und acht Tage alt, soll alles Männliche bei euch beschnitten werden nach euren Generationen, der Hausgeborene und der für Geld Erkaufte, von allen Fremden, die nicht von deinen Nachkommen sind. Beschnitten werden muss dein Hausgeborener und der für dein Geld Erkaufte. Und mein Bund soll an eurem Fleisch sein als ein ewiger Bund.»
Die Absonderung Israels geschah also, in dem Gott mit Abraham, aus welchem die Nation Israel entstehen sollte, einen Bund schloss. Als Zeichen dafür, dass diese Nation Gott gehört, das heisst, vom Rest der Welt auserwählt wurde oder eben abgesondert, musste sich alles Männliche beschneiden lassen. Das war das Zeichen der Auserwählung. Nun bedeutet aber diese Auserwählung nicht nur ein äusserliches Zeichen, sondern viel mehr einen kompletten Lebenswandel. Schliesslich erhielt die Nation Israel später die Tora, dass sind die fünf Bücher Mose, also das Gesetz, das betrifft unter anderem die zehn Gebote wie auch die Speisegebote, Waschungen, Opfer etc.
So stellt sich uns die Frage: warum wurde Israel auserwählt, sprich, was war der Zweck davon? Das warum lesen wir in 5. Mose 7, 7-8:
«Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen der Liebe des HERRN zu euch und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharaos, des Königs von Ägypten.»
Und den Zweck in 1. Mose 12,1-3:
«Und der HERR hatte zu Abram gesprochen: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde. Und ich will dich zu einer grossen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen gross machen; und du sollst ein Segen sein! Und ich will die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter[mischpachah] der Erde!».
Geschlechter heisst hier so viel wie, Familie oder Völkerschaft1. Es sollten also durch Abraham und somit seine Nachkommen, das Volk Israel, ALLE Völker gesegnet werden.
Als Gott nun sein Volk aus Ägypten herausgeführt hatte und den Bund schloss sprach er:
«Und nun, wenn ihr fleissig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Kindern Israel reden sollst.» (2. Mose 19,5-6).
Israel sollte also ein Königreich von Priestern sein. Doch was bedeutet das? Ein Priester war ein Vermittler zwischen Gott und dem Volk. Zum einen vertrat der priesterliche Stamm Levi das Volk Israel selbst vor Gott, zum anderen sollte aber ganz Israel ein Königreich von Priestern sein. Wenn nun die eine Partei Gott ist und das Volk Israel den Vermittler repräsentiert, so kann das nur heissen, dass Israel als Mittler zwischen Gott und den Völkern (d.h. den Rest der Welt) dienen sollte.
So wurde Israel also aus den Nationen abgesondert, auserwählt und ihnen wurde das Gesetz gegeben, und ihr Lebenswandel sollte Gott wohlgefällig sein, um ein Segen zu sein für die Völker, um die Nationen wieder mit Gott zusammenzuführen. Gott erwählte den einen, Abraham, und aus ihm entstehend das Volk Israel, damit viele gesegnet werden.Israel wurde also auserwählt um den Nationen zu zeigen, wer der eine wahre Gott ist.
Die Erlösung aller Völker war somit nie Plan B, es war die ganze Zeit von Gott so geplant. Und Israel war in der perfekten Lage, um Gott den Nationen zu offenbaren. Sie haben Seine Macht und Rettung gesehen und erlebt. Doch trotz alledem scheiterten sie immer wieder daran.2
Bevor wir nun die Heiligkeit, die Absonderung auf uns heute übertragen, schauen wir erst einige Parallelen zwischen Israel und der Gemeinde an um das Folgende besser zu verstehen.
III. Parallelen zwischen Israel und der Gemeinde
Wer die Bibel gelesen hat oder die eine oder andere Predigt gehört hat, dürfte wohl wissen, dass Israel trotz seiner Auserwählung ein sündiges Volk war. Dies zeigt sich insbesondere während des Auszuges aus Ägypten, als sie ein goldenes Kalb aufrichteten, oder ständig murrten obwohl sie genau wussten, dass Gott mit ihnen war. So können wir Israel als uns selbst betrachten, Israel war eine sündige Nation, wir selbst haben alle auch gesündigt.
i. Ägytpen, unser Altes Leben
Nun steht Ägypten für unser altes Leben. Israel zog aus Ägypten heraus, um ihr altes Leben unter der Knechtschaft des Pharaos zurückzulassen. Auch unser altes Leben ohne Jesus stand unter einer Knechtschaft, denn wir waren Sklaven der Sünde.
«Überlegt doch einmal: Wenn ihr euch jemand unterstellt und bereit seid, ihm zu gehorchen, seid ihr damit seine Sklaven; ihr seid die Sklaven dessen, dem ihr gehorcht. Entweder ihr wählt die Sünde und damit den Tod, oder ihr wählt den Gehorsam Gott gegenüber und damit die Gerechtigkeit. Aber Dank sei Gott, dass ´die Zeit vorbei ist, in der` ihr Sklaven der Sünde wart, und dass ihr jetzt aus innerster Überzeugung der Lehre gehorcht, die uns als Massstab für unser Leben gegeben ist und auf die ihr verpflichtet worden seid.» (Römer 6,16-17 / NGÜ)
ii. Moses, das Gesetz
Moses steht dabei für das Gesetz. Was heisst das? Das Gesetz wurde zur Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit gegeben. Egal wie gut wir uns bemühen, es reicht nicht, um in das verheissene Land zu kommen.
«Denn auch durch das Befolgen von Gesetzesvorschriften steht kein Mensch vor Gott gerecht da. Das Gesetz führt vielmehr dazu, dass man seine Sünde erkennt.» (Römer 3,20 / NGÜ)
So führte auch Moses Israel zwar aus der Sklaverei heraus, ein Bild für die Erkenntnis und Befreiung der Sünde, aber er war nicht derjenige, der Israel in das verheissene Land brachte. Es war Josua. Das Gesetz ist somit auch für uns heute wichtig in dem Sinne, dass es uns unsere Schuld und Verlorenheit aufzeigt.
iii. Josua, Jesus und das Evangelium
Josua hingegen repräsentiert Jesus. Dabei fällt auf, dass der Name Josua (Jehoschua) im Hebärischen mit dem Namen Jesus (gr. Iēsous) identisch ist. Denn Jesus ist die griechische Form des Namens Jeschua oder Jeschu, beides sind Kurzformen von Jehoschua.3
iv. Passahlamm, Christus als Opfer
Doch bevor Israel Ägypten endgültig verliess, forderte Gott sein Volk auf, das Passahlamm zu schlachten und das Blut an die beiden Türpfosten und den Sturz zu tun, um vor Gottes Gericht, welches über Ägypten kommen wird, verschont zu werden. Das Passahlamm ist ein prophetisches Vorbild auf Jesus Christus, das wahre Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegträgt (vgl. Joh 1,29 / 1. Kor 5,7). Auch wir Christen werden durch das vergossene Blut Jesus vor dem kommenden Gericht Gottes verschont. So zog das Volk Israel schliesslich aus Ägypten heraus, weg von ihrem alten Leben unter der Sklaverei (Knechtschaft der Sünde) in Richtung des verheissen Landes. Der Auszug selbst repräsentiert dabei die Bekehrung oder die Erlösung, man könnte auch sagen die Umkehr weg vom Alten, hin zum Neuen.
v. Wüste, unser Glaubensleben heute
Die Wüste ist ein Zeichen für unser Glaubensleben. Ein Leben bereits erlöst von der Sklaverei der Sünde, unterwegs mit Jesus in der Hoffnung auf das verheissene Land, die Ewigkeit, die ewige (Sabbat-)ruhe. Die Wüste war für Israel eine Zeit der Demütigung und Prüfung:
«Und du sollst an den ganzen Weg denken, den der HERR, dein Gott, dich diese vierzig Jahre in der Wüste hat wandern lassen, um dich zu demütigen, um dich auf die Probe zu stellen ⟨und⟩ um zu erkennen, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.»
(5. Mose 8,2 / ELB)
So ist auch unser Glaubensleben durchtränkt von Prüfungen und Demütigung, nicht um uns zu zerstören, sondern uns Christus ähnlicher zu machen, als Licht für andere. Es ist auch eine Zeit in der wir erkennen dürfen, von Gott abhängig zu sein.
vi. Verheissenes Land, Geistliche und ewige Ruhe
Das verheissene Land war für das Volk Israel das Land Kanaan, wo sie zur Ruhe kommen sollten, zur Ruhe von der Knechtschaft Ägyptens und der Wanderung durch die Wüste. Für uns repräsentiert Kanaan den Himmel und die neue Erde. Ein Ort der ewigen Ruhe, der letzten Sabbathruhe, frei von aller Sünde.
«Wie schrecklich wäre es, wenn einer von euch am Ende ebenfalls das Urteil hören müsste, er habe das Ziel nicht erreicht! Wir wollen alles tun, damit das nicht geschieht. Schliesslich gilt Gottes Zusage nach wie vor; auch uns ist sein Angebot verkündet worden, an seiner Ruhe teilzuhaben, genau wie jenen Menschen damals. Ihnen allerdings hat es nichts genützt, diese Botschaft zu hören, weil zum Hören nicht der Glaube hinzukam. Wir jedoch haben die Botschaft geglaubt und angenommen, und wer das tut, bekommt Anteil an seiner Ruhe – an der Ruhe, auf die Gott sich bezog, als er sagte: ‘Ich schwor in meinem Zorn: ›Niemals sollen sie an meiner Ruhe teilhaben!‹’ Nun gibt es diese Ruhe zwar schon seit der Erschaffung der Welt; denn dort, wo vom siebten Schöpfungstag die Rede ist, lesen wir: ‘Am siebten Tag, als Gott das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte, ruhte er.’ Und doch sagt Gott, wie eben zitiert: ‘Niemals sollen sie an meiner Ruhe teilhaben!’ Die Erfüllung seiner Zusage, Menschen an seiner Ruhe Anteil zu geben, steht also immer noch aus; die, denen er dieses Angebot ursprünglich machte, haben das Ziel nicht erreicht, weil sie ihm nicht gehorchten. Deshalb hat Gott für eine neue Gelegenheit gesorgt; es ist dieses ‘Heute’, von dem er – lange nach jenem Geschehen – durch David an der bereits erwähnten Stelle sagt: ‘Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, dann verschliesst euch seinem Reden nicht!’ Zwar hat Josua die Israeliten in das ihnen zugesagte Land geführt, aber an der eigentlichen Ruhe hatten sie deswegen immer noch nicht teil; sonst hätte Gott nicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal von einem ‘Heute’ gesprochen. Somit wartet auf Gottes Volk noch eine Zeit vollkommener Ruhe – die ´wahre` Sabbatfeier. Denn wer an Gottes Ruhe Anteil bekommt, darf von all seiner Arbeit ausruhen, genauso wie Gott ruhte, als er alles erschaffen hatte. Setzen wir also alles daran, an dieser Ruhe teilzuhaben, und lassen wir uns den Ungehorsam jener früheren Generation als warnendes Beispiel dienen, damit wir nicht wie sie zu Fall kommen!»
(Hebräer 4,1-11)
So steht das verheissene Land zum einen für die geistliche Ruhe in Christus, wie auch für den endgültigen Ort aller Erlösten, die neue Erde und den neuen Himmel. Und dass wir und dessen sicher sein können, das verheissene Land zu erreichen, wurde uns der Heilige Geist als Unterpfand, also als Garantie, gegeben. Bei unserer Bekehrung wurden wir mit dem Heiligen Geist versiegelt.
«Auch ihr gehört jetzt zu Christus. Ihr habt die Botschaft der Wahrheit gehört, das Evangelium, das euch Rettung bringt. Und weil ihr diese Botschaft im Glauben angenommen habt, hat Gott euch – wie er es versprochen hat – durch Christus den Heiligen Geist gegeben. Damit hat er euch sein Siegel aufgedrückt, ´die Bestätigung dafür, dass auch ihr jetzt sein Eigentum seid`.
Der Heilige Geist ist gewissermassen eine Anzahlung, die Gott uns macht, der erste Teil unseres himmlischen Erbes; Gott verbürgt sich damit für die vollständige Erlösung derer, die sein Eigentum sind. Und auch das soll zum Ruhm seiner ´Macht und` Herrlichkeit beitragen.»
(Epheser 1,13-14 / NGÜ)
Der Heilige Geist ist also die Vorauszahlung für das vollständige Erbe, die neue Erde, die ewige Ruhe, das vollständige Leben in Christus. Er ist unser Begleiter durch die Wüste unseres Lebens, im täglichen Kampf gegen Sünde und Anfechtungen. Er stärkt und hilft uns, in der geistlichen Freiheit, die durch Christus erlangt wurde, zu leben und schon jetzt zu geistlicher Ruhe zu kommen. Auch haben wir durch den Geist Gottes schon jetzt direkten Zugang zu Gott dem Vater.
Da wir nun den Zusammenhang zwischen Israel und der Gemeinde, verstehen, können wir auch die Bedeutung eines abgesonderten, heiligen, Lebens für uns heute besser greifen.
IV. Heiligkeit heute
Zu Beginn haben wir zwei zentrale Bibelstellen betrachtet, die von der Heiligkeit der Gläubigen sprechen – also von uns Christen. Zum einen war das 1. Petrus 1,15-16 (NGÜ):
«Der, der euch berufen hat, ist heilig; darum sollt auch ihr ein durch und durch geheiligtes Leben führen. Es heisst ja in der Schrift: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.»
Hier wird deutlich: Heiligkeit ist ein göttliches Gebot. Das bedeutet, Gott erwartet unsere aktive Antwort – und gleichzeitig wissen wir, dass wir nur durch seine Gnade und die Kraft seines Geistes wirklich heilig leben können. Ausserdem lasen wir auch 1. Petrus 2,9 (ELB):
«Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat;»
Wie auch Israel sind wir, das ist die Gemeinde, nun ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ja, eine heilige, d.h. abgesonderte Gemeinschaft oder Volk zum Besitztum, d.h. Eigentum Gottes. Wozu? Damit wir die Tugenden, das sind Gottes Grosse Taten4 oder Werke, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht, also aus der Sünde, der Trennung von Gott zu einem neuen Leben in Heiligkeit, in Wahrheit und Erkenntnis berufen hat, verkündigen.
Israel war berufen, als priesterliches Volk ein Mittler zwischen Gott und den Völkern zu sein. Heute ist die Gemeinde mit dieser Aufgabe betraut – wir sind berufen, als königliches Priestertum Gottes Wahrheit in die Welt zu tragen.
Was sollen wir verkündigen? Die grossen Taten Gottes – und die grösste davon ist das Evangelium: dass Gott in Jesus Christus rettet und neues Leben schenkt. Doch heilig zu sein, zu leben geht noch viel weiter als ‘nur’ das Evangelium zu verkünden.
Schliesslich sollen wir ein ‘durch und durch geheiligtes Leben führen’, denn Gott selbst ist heilig.
Dass Gott heilig ist erkennen wir auch in Jesaja 6,3, dort rief ein Seraph (pl. Seraphim sind von Gott erschaffene und erhabene Wesen) dem anderen zu:
«[…] Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit!»
Damit wir nun verstehen, was es für uns heisst, heilig zu sein, hilft es erst zu untersuchen, was es bedeutet, dass Gott heilig ist. Der im Hebräisch zugrunde liegende Begriff für der ‘Heilige, heilig’ oder auch ‘Heiligtum’ ist «qâdôwsh5 / qadosch6». Qadosch kann sich sowohl aufs Zeremoniale wie auch auf’s Moralische beziehen5. Wenn etwas zeremonial (d.h. nach einer bestimmten, festen Form oder Ritus7) heilig ist oder geheiligt wird, dann wird dieses Objekt, z.B. ein Altar, für einen, meist von Gott bestimmten Zweck, auf die Seite getan, abgesondert oder man könnte auch sagen reserviert, beiseitegesetzt. Das lesen wir u.A. in 2. Mose 40,10:
«Und salbe den Brandopferaltar und alle seine Geräte, und heilige den Altar; und der Altar soll hochheilig sein.»
Der Brandopferaltar wurde also für den von Gott bestimmten Zweck geheiligt, reserviert.
Qadosch kann sich aber auch auf das Moralische beziehen. Das heisst, wenn jemand moralisch gesehen heilig ist, dann ist dieser jemand in seiner Moral, seinem Tun und Handeln abgesondert, erhaben, separiert von menschlicher Schwäche, Unreinheit und Sünde8 (vgl. u.A. 1. Sam 6,20 / Jos 24,29 / 3. Mos 11,44+45 etc.). Wenn nun Gott als der Heilige (s. Jes 57,15) bezeichnet wird, dann bedeutet das, Er ist in senem moralischen Handeln abgesondert, separiert von uns Menschen, Er ist in seinem Tun und Handeln durch und durch Gut, ohne Sünde, ohne Fehl und Tadel.
Wir sehen also, einerseits ist Gott heilig, andererseits können auch Objekte, bestimmte Tage (vgl. 1. Mos 2,3 – der siebte Tag), Orte (vgl. 2. Mos 19,23 – Berg Sinai) und zuguter Letzt auch Menschen, heilig genannt werden.
Doch wie genau sollen wir als Menschen jetzt heilig werden oder heilig sein? Schliesslich erfordert Heiligkeit die Tadellosigkeit, Perfektion, komplette Freiheit von jeglicher Sünde. So gibt es nun zwei Punkte, die wir beachten müssen. Das eine ist, wir sollen ein geheiligtes Leben führen, also aktiv etwas tun, dieser Punkt wird gleich noch behandelt. Die andere Seite der Medaille ist aber, dass wir als wiedergeborene Christen bereits heilig sind, durch den Opfertod Jesu:
«Durch diesen Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.» (Hebräer 10,10)
Gott, der Vater, hat euch vor langer Zeit erwählt, und der Geist hat euch geheiligt, sodass ihr nun Jesus Christus nachfolgt und durch seinen Tod am Kreuz gereinigt seid. (1. Petrus 1,2 / NGÜ)
Durch Jesu Tod am Kreuz sind wir also gereinigt worden und durch den Geist (den wir empfangen haben) geheiligt. Wir haben durch unsere Bekehrung einen Neuen Geist erhalten, dieser Geist kann auch nicht mehr sündigen im Gegensatz zu unserer ‘Alten Natur’ (vgl. u.A. 1. Joh 3,9 & 5,18 / 2. Kor 5,17). In dem Sinne sind wir also schon heilig. In unserem Geist, der neuen Natur, sind wir bereits von dieser Welt abgesondert, neu gemacht, getrennt. Wir wurden mit dem Heiligen Geist versiegelt, uns wurde ewiges Leben geschenkt, somit sind wir nicht mehr von dieser Welt (vgl. Joh 15,19 / Kol 1,13), ja, unser Bürgerrecht ist im Himmel (Phil 3,20). Wir sind nicht mehr Sklaven der Sünde, sondern der Gerechtigkeit (vgl. Röm 6,6+14-18), das bedeutet, wir dienen der Gerechtigkeit. Wir sind für Gott ‘reserviert’, für seinen ‘Zweck bestimmt’9. Da wir nun bereits heilig sind, wie können wir dann die Berufung zu einem geheiligten Leben im Petrus Brief verstehen? Schliesslich kann es nicht darum gehen, uns immer mehr von der Alten Natur loszulösen, immer weniger zu sündigen bis wir schliesslich keine Sünden mehr begehen. Während unseres Erdendaseins wird auch das Alte uns stetig begleiten. Unsere Alte Natur bleibt immer gefährlich und wir müssen damit lernen umzugehen. Im Epheser 4,17-24 (NGÜ) sagt Paulus:
«Aus all diesen Gründen fordere ich euch im ´Namen des` Herrn mit Nachdruck auf, nicht länger wie die Menschen zu leben, die Gott nicht kennen. Ihre Gedanken sind auf nichtige Dinge gerichtet, ihr Verstand ist wie mit Blindheit geschlagen, und sie haben keinen Anteil an dem Leben, das Gott schenkt. Denn in ihrem tiefsten Inneren herrscht eine Unwissenheit, die daher kommt, dass sich ihr Herz ´gegenüber Gott` verschlossen hat. Das Gewissen dieser Menschen ist abgestumpft; sie haben sich der Ausschweifung hingegeben und beschäftigen sich voller Gier mit jedem erdenklichen Schmutz. Ihr aber habt bei Christus etwas anderes gelernt! Oder habt ihr seine Botschaft etwa nicht gehört? Seid ihr etwa nicht in seiner Lehre unterrichtet worden, in der Wahrheit, wie sie in Jesus ´zu uns gekommen` ist? Dann wurdet ihr aber auch gelehrt, nicht mehr so weiterzuleben, wie ihr bis dahin gelebt habt, sondern den alten Menschen abzulegen, der seinen trügerischen Begierden nachgibt und sich damit selbst ins Verderben stürzt. Und ihr wurdet gelehrt, euch in eurem Geist und in eurem Denken erneuern zu lassen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen.»
Paulus ermahnt hier, nicht mehr so zu Leben wie die Welt das tut. Er meint damit, nicht mehr den Begierden des Fleisches, unserer Alten Natur nachzugeben, sondern so zu leben, wie es Christus gebührt, wie es Gott ehrt. Die Kraft dazu hat uns Jesus auch gegeben (vgl. Röm 8,2). Dies sollen wir nicht tun, um uns von ihr zu lösen, sondern um Gott zu ehren und zu dienen. In der Praxis geschieht das unteranderem durch das Wort, in dem wir dieses lesen, studieren und anwenden:
Heilige sie durch die Wahrheit: Dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt; und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit. (Johannes 17,17-19)
V. Fazit
Wir werden also heilig durch das Wort, welches Wahrheit ist. Auch heisst es, dass Jesus selbst sich heiligt, dafür bestimmt, absondert, damit auch wir Geheiligte sind durch Wahrheit, durch das Wort, durch Jesus Christus. Heilig leben bedeutet konkret: in Abhängigkeit von Gott leben, in seiner Nähe bleiben, das Gute tun und das Böse meiden. Es geht nicht darum, durch eigene Anstrengung immer heiliger zu werden, sondern darum, so zu leben, wie es unserer durch Christus bereits geschehenen Heiligung entspricht. Denn Gott ist heilig – und durch den Tod Jesu sowie durch den Empfang des Heiligen Geistes, dessen Tempel wir sind, sind auch wir bereits Heilige.
Heiligkeit ist daher kein allmählicher Prozess der moralischen Perfektion, sondern ein Ausdruck dessen, was wir bereits sind. Wir lassen die Sünde nicht, um Heilige zu werden, sondern weil wir es sind. So handeln wir gemäß unserer neuen Identität – als Menschen, die Christus in sich tragen und seinen Namen in der Welt repräsentieren. Wer den Namen „Christus“ trägt, steht auch für den, dessen Namen er trägt.
So sondern wir uns nun ab – von der Welt und all dem, was sie zu bieten hat – mit einem Blick auf die Ewigkeit und einem Leben, das Gott in allem ehrt.
Fussnoten:
1 https://www.csv-bibel.de/strongs/h4940/3
2 https://bibleproject.visiomedia.org/wen-hat-gott-auserwaehlt/
3 https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_Christus#:~:text=Jesus%20(griech.,Jeschu%2C%20beides%20Kurzformen%20von%20Jehoschua./ Abschnitt: Der Name
4 https://www.bibleserver.com/NG%C3%9C/1.Petrus2%2C9
5 https://www.blueletterbible.org/lexicon/h6918/kjv/wlc/0-1/
6 https://www.csv-bibel.de/strongs/h6918
7 https://www.google.com/search?sca_esv=b97c0088c4eec1a1&rlz=1C1CHBD_deCH796CH796&q=zeremonie&si=APYL9bvtFLj-ISwFDyvbg6-m4pTqx0buZXI0ESfkx_cpy3Q-LXVJQlqwgb2FP5mE1y3eCWAVNn7p1TYxuNpai1TsOLe25mZW6siJbVRESp3qqavRO3gasME%3D&expnd=1&sa=X&ved=2ahUKEwjhs4nDzLSNAxURhf0HHWtsD3sQ2v4IegQIKxAs&biw=2586&bih=1280&dpr=0.99
8 https://www.blueletterbible.org/lexicon/h6918/kjv/wlc/0-1/ / Brown-Driver-Briggs Lexicon, STRONGS H6918: 1 & 2
9 https://www.bibelpraxis.de/a5913.html / ab min 3:05
